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Benigne Prostatahyperplasie (BPH)
Die Prostata ist das Organ des Mannes, das jenseits der Lebensmitte am häufigsten erkrankt. Hierbei ist die benigne Prostatahyperplasie mit Abstand die häufigste pathologische Ursache. Diese Erkrankung, die im allgemeinen sehr langsam fortschreitet, ist gekennzeichnet durch einen allmählichen Anstieg des fibromuskulären als auch drüsigen Gewebes in den periurethralen Bereichen der Prostata, bei dementsprechender Kompression der Harnröhre.
Mindestens 70 % aller Männer, die das 70. Lebensjahr erreichen, entwickeln eine histologische BPH, bei 40 % oder mehr treten Symptome einer Harnabflußbehinderung auf. Allerdings entwickelt sich die Erkrankung derart allmählich, daß viele Patienten gar nicht wahrnehmen, daß mit ihrer Blase oder Prostata etwas nicht in Ordnung ist. Und so ertragen viele Männer diesen Zustand mit stoischer Gelassenheit und nehmen das fortschreitende Sinken ihrer Lebensqualität schließlich als einen Teil des Alterungsprozesses hin, bis schließlich Harnwegsinfektionen, Harnverhalt oder sonstige Komplikationen die Oberhand gewinnen.
Endokrinologie und Pathogenese:
In der Embryonalzeit entwickelt sich die Prostata unter 5-alpha Dihydrotestosteron-Einwirkung
aus dem Sinus urogenitalis; sie wiegt beim Neugeborenen 1 bis 2 g.
Nach Abschluß der sexuellen Reifeperiode beträgt das Prostatavolumen
17 bis 20 g und bleibt bei voller sekretorischer Funktion bis zum
40. Lebensjahr konstant. Ab dem 45. bis 50. Lebensjahr kommt es langsam
zu einer zunehmenden Proliferation von periurethral gelegenen fibromuskulären
Stroma- und Drüsengewebe, die sogenannte benigne Prostatahyperplasie
bildet sich aus.
Sowohl die embryonale Differenzierung als auch der Wachstumsschub
während der sexuellen Reifeperiode und damit die sekretorische
Funktion stehen unter der Kontrolle der Hypothalamus-Hypophysen-Gonadenachse.
Testosteron wird dabei im Prostatagewebe durch die 5-alpha-Reduktase
zum wirksamen Androgen 5-alpha-Dihydrotestosteron metabolisiert, kann
aber auch zu Östradiol aromatisiert werden.
Die Hypothalamus-Hypophysen-Gonadenachse:
Dieser Regelkreis reguliert die endo- und exokrine Funktion des Hodens.
Das Dekatpeptid LHRH wird im Hypothalamus gebildet und setzt aus dem
Hypophysenvorderlappen die beiden Gonadotropine LH und FSH frei. FSH
reguliert das Keimepithel, LH induziert und reguliert die Testosteronsynthese.
Zwischen den Hoden, dem Hypothalamus und der Hypophyse besteht eine
negative Rückkopplung; für LH und FSH scheinen zusätzlich
noch separate Feedback-Mechanismen zu bestehen.
Effekte des Alterns auf die Hypothalamus-Hypophysen-Gonadenachse:
Beim alternden Mann wird benignes hyperplastisches wie auch malignes
Prostatawachstum beobachtet; da diese Ereignisse eindeutige Altersprävalenz
zeigen, liegt es nahe, den Pathomechanismus zumindest cofaktoriell
mit dem Alterungsprozeß zu verbinden. Folgende altersphysiologische
Hormonveränderungen sind bekannt: durch eine Reduktion der Zahl
und der Synthesefunktion der Leydigzellen oder auf Grund einer verminderten
Empfindlichkeit für Gonadotropine nimmt das Plasmatestosteron
graduell ab.
Gleichzeitig setzt eine verstärkte Aromatisierung ein, weshalb
Plasmaöstradiol und Östrion ansteigen. Diese Östrogene
wiederum bewirken eine Zunahme des SHBG (Sexualhormon- bindendes-
Globulin). Wegen der im Vergleich zu Östradiol hohen Affinität
von SHBG für Testosteron sinkt die den Zielorganen zur Verfügung
stehende freie Testosteronfraktion ab, während die freie Östradiolfraktion
zunimmt.
Die benigne Prostatahyperplasie des Menschen: Eine stromale Erkrankung
Entgegen der Bezeichnung Prostataadenom zeigt die benigne Prostatahyperplasie eine signifikante Prädominanz des fibromuskulären Stromas (60 % Volumenanteil) gegenüber dem Anteil an Drüsenzellen (12 % Volumenanteil) und an Drüsenlumina (28 % Volumenanteil), wenn morphometrische Analysen zugrunde gelegt werden. In absoluten Werten ausgedrückt nimmt bei der benignen Prostatahyperplasie im Durchschnitt das fibromuskuläre Stroma um das 4-fache zu, während sich der glanduläre Anteil nur knapp verdoppelt. Elektronenmikroskopisch fallen im Stroma aktivierte glatte Muskelzellen auf, die einen hohen Anteil an rauhen endoplasmatischen Retikulum, Golgi-Aparat und Mitochondrien haben. Diese aktivierten Zellen sind zur Synthese von bindegewebiger Matrix befähigt. In der Zellwand dieser Muskelzellen wurden 5-alpha-Rezeptoren sowie das Enzym 5-alpha-Reduktase nachgewiesen. Dieses Enzym katalysiert die Umwandlung von Testosteron zu Dihydrotestosteron und stellt einen wichtigen Faktor in der Pathogenese der benignen Prostatahyperplasie dar.
Eines der besonders verwirrenden Merkmale der benignen Prostatahyperplasie
ist das Fehlen eines eindeutigen Bezuges zwischen der Größe
der Prostata und dem Auftreten oder dem Schweregrad der Harnabflußbehinderung.
Im allgemeinen geht jedoch beim individuellen Patienten eine fortschreitende
Vergrößerung der Prostata mit einer allmählichen Abnahme
des Harnstrahles und einer unzureichenden Blasenentleerung einher,
was schließlich zum Auftreten von Symptomen einer Harnabflußbehinderung
und den damit verbundenen Einschränkungen der Lebensqualität
führt.
Im Stadium 1 führt häufiger Harndrang zu einer Verkürzung
der Miktionsintervalle (Pollakisurie) zu nächtlichem Aufstehen
und einer Zunahme der nächtlichen Miktionsfrequenz (Nykturie).
Der Beginn der Blasenentleerung wird verzögert (Startschwierigkeiten),
der Harnstrahl abgeschwächt, Nachträufeln tritt auf.
Im Stadium 2 kann die Blase nicht mehr vollständig entleert werden,
es kommt zur Restharnbildung, wodurch die Entstehung von wiederkehrenden
Blasen- und Prostataentzündungen bis zur Ausbildung von Prostataabszessen
sowie die Entstehung von Blasensteinen begünstigt werden kann.
Im Stadium 3 erfolgt eine Dekompensation der Blasenmuskulatur mit
unwillkürlichem tropfenweisem Harnabgang, als Ausdruck einer
Überlaufblase mit Restharnvolumina bis zu mehreren Litern.
Dabei kann ein Harnrückstau in die Nieren zu obstruktions-bedingten
Nierenfunktionseinschränkungen hin bis zur Urämie führen.
Auch werden aufsteigende Infektionen und Steinbildung im oberen Harntrakt
begünstigt.
Bei etwa 25 % aller Patienten, die wegen einer Prostatahyperplasie
im Stadium 2 bis 3 in Behandlung sind, tritt eine akute Harnverhaltung
auf. Die volle Blase zieht sich vergeblich zur Entleerung zusammen,
der Blasenauslaß öffnet sich nicht mehr, gleichzeitig geht
der Einstrom des Harns aus den Nieren in die Blase weiter und überdehnt
die Blase. Die Harnverhaltung gilt als absolute Indikation zur operativen
Therapie. Sie kann auch als sogenannte „Wirtshaus-Harnverhaltung“
auftreten, bedingt durch zu vermehrter Harnproduktion anregenden Alkohol,
bei gleichzeitiger Dämpfung des Harndranges.
Die Beschreibung der Symptome durch den Patienten und die genaue Anamnese
ist immer wichtig, allerdings ist bei der Interpretation Vorsicht
geboten, was insbesondere im Bezug auf die BPH gilt. Das Auftreten
der prostatischen Obstruktion vollzieht sich schleichend und die Verschlechterung
des Harnflusses wird häufig vom Patienten kaum wahrgenommen.
Von mehreren internationalen als auch nationalen Gremien wurden bisher
mehr oder weniger idente Richtlinien für die Diagnose der benignen
Prostatahyperplasie erarbeitet. Ein Überblick über diese
Guide Lines wird im Folgenden dargestellt:
Unverzichtbare grundsätzliche initiale
Evaluierung:
Folgende Eingangsuntersuchungen sollten bei jedem Patienten durchgeführt
werden, der sich mit obstruktiven Miktionsbeschwerden vorstellt:
a. Anamnese
b. Quantifizierung der Symptome mit dem internationalen Prostate symptom
score (IPSS.
Abb. 1). Dieser Symptomscore trägt auch der subjektiven Beeinträchtigung
durch die Symptome Rechnung. Irritative Symptome haben eine größere
Auswirkung auf die Lebensqualität als obstruktive Symptome und
es ist sehr wichtig, das Ausmaß zu bestimmen, mit dem die Symptome
die täglichen Lebensgewohnheiten beeinträchtigen.
c. Körperliche Untersuchung mit digitaler-rektaler Untersuchung
zur Abschätzung der Prostatagröße.
d. Urinuntersuchung mit Harnstreifen.
e. Beurteilung der Nierenfunktion (Serum-Creatinin-Wert).
f. PSA-Bestimmung zum Ausschluß eines Prostata-Carzinoms.
g. Nephrosonographie
Optionale diagnostische Untersuchungen:
Wenn eine Analyse der unverzichtbaren grundsätzlichen Tests
nicht ausreichend Auskunft über eine Blasenhalsobstruktion gibt,
sollte dem Patienten eine weitergehende Abklärung vorgeschlagen
werden:
a. Harnflußmessung (Uroflow)
b. Sonographische Restharnmessung
c. Urodynamische Druckflußstudien zur Bestätigung einer
infravesikalen Obstruktion bzw. Ausschluß einer akontraktilen
Blase.
d. Urethrozystoskopie, jedoch nur, wenn später eine invasive
Behandlung geplant wird, bei Makrohämaturie, bei V.a. ein Blasenkarzinom
oder bei vorhergehenden Operationen im unteren Urogenitalbereich,
vor allem bei vorhergegangenen transurethalen Resektionen der Prostata.
Bei der gutartigen Prostatavergrößerung kann man prinzipiell
zwischen medikamentösen und operativen Behandlungsmöglichkeiten
unterscheiden. Die Wahl der Therapie richtet sich vor allem nach dem
Stadium der Erkrankung und dem daraus resultierenden Beschwerdebild.
Im Anfangsstadium reicht die regelmäßige ärztliche
Kontrolle des Krankheitsverlaufes aus. Meist sind diese Patienten
auch mit ihrer Miktio zufrieden und es besteht kein Leidensdruck.
Regelmäßige jährliche Kontrollen beim Urologen in
enger Zusammenarbeit mit dem Facharzt für Allgemainmedizin sind
allerdings unumgänglich, auch im Sinne der Prostatakarzinom Früherkennung,
dem sog. PSA -Screening.
Phytotherapie der benignen Prostatahyperplasie:
Traditionell genießen Pflanzenextrakte zur Behandlung der benignen
Prostatahyperplasiesymptome in Europa und somit auch in Österreich
eine hohe Popularität. Sie erreichen in einzelnen Ländern
einen Marktanteil von bis zu 50 %.
Trotz dieser traditionellen Popularität als Arzneimittel und
trotz wachsender Beliebtheit als sogenannte Nahrungsmittelzusätze
bleibt die Rolle der Phytotherapie für die Therapie der benignen
Prostatahyperplasie umstritten. Legt man Evidenz-basierte Kriterien
an, zeigen nur wenige randomisierte Studien sowie einige Metaanalysen
vornehmlich über Serenoa repens und Pygeum africanum sowie jüngste
Studien mit Kürbiskernen einen klinischen Effekt bei guter Verträglichkeit (Tabelle 1).
Um so mehr sind randomisierte, plazebokontrollierte Studien erforderlich
um die tatsächliche therapeutische Potenz der einzelnen Präparate
einzuordnen.
Alpha 1-Rezeptoren-Blocker:
Der Muskeltonus im Bereich des Blasenhalses und im Prostatastroma
ist zum überwiegenden Teil adrenerg kontrolliert und kann durch
Blockade dieser Rezeptoren herabgesetzt werden. Durch diese Relaxation
in der Prostata kommt es zur Erweiterung der prostatischen Harnröhre
und dadurch zur Verbesserung der Abflußsituation. Subjektiv
störende Symptome wie nächtliches Wasserlassen, gehäuftes
Wasserlassen tagsüber oder schwacher Harnstrahl können teilweise
eindrucksvoll verbessert werden, objektive Zeichen wie Restharn oder
max. Harnflußrate werden optimiert. Zu den Nebenwirkungen dieser
Substanzklasse gehören geringgradiger Blutdruckabfall, Schwindel,
Abgeschlagenheit, Schläfrigkeit als auch eine retrograde Ejakulation
(bedingt durch den ungenügenden reflektorischen Verschluß
des Blasenhalses bei der Ejakulation). Aus diesem Grunde ist der Einsatz
bei Patienten mit sehr niedrigen oder schwankenden Blutdruckwerten
nicht sinnvoll.
In der Tabelle
2 werden die in Österreich gebräuchlichen Alpharezeptoren-Blocker
aufgelistet.
5 alpha-Reduktasehemmer:
Bei den 5 alpha-Reduktasehemmern werden 2 Medikamente unterschieden,
einerseits Finasterid (Proscar), ein Medikament, das seit mehr als
10 Jahren in Österreich zugelassen ist, als auch Dutasterid (Avodart),
ein erst seit kurzem auf dem Markt befindliches Medikament.
Finasterid (Proscar), wie bereits eingangs erwähnt,hemmt die
Umwandlung von Testosteron in das biologisch wirksame Dihydrotestosteron
, das für das Wachstum der Prostata mitverantwortlich ist. Durch
eine Blockade dieser Umwandlung kann ein Wachstums-Stop als auch eine
Abnahme der Prostatagröße erreicht werden.
Finasterid hemmt selektiv die intraprostatische Typ II 5-alpha-Reduktase
und blockiert somit die oben erwähnte Umwandlung von Testosteron
in Dihydrotestosteron (Abb.2).
Dieses Medikament wurde auf Grund klinischer Beobachtung in Zusammenhang
mit dem hereditären 5-alpha-Redukatase-Mangel entwickelt: männliche
Pseudohermaphroditiden, die an diesem genetischen Defekt leiden, haben
bei der Geburt eine sehr kleine bis fehlende Prostata. Während
der Pubertät kommt es dann unter Testosteroneinfluß zur
Virilisierung, das Prostatawachstum bleibt jedoch während dieser
Zeit und auch im späteren Erwachsenenalter zurück.
Die Effektivität als auch die Sicherheit dieses Medikamentes
konnte in mehreren großen internationalen Studien nachgewiesen
werden. Es kommt zu einer im Durchschnitt 25 %-igen Abnahme des Prostatavolumens
als auch zu einer langanhaltenden Verbesserung der max. Harnflußrate
als auch irritativen Symptomen und somit zu einer Verbesserung der
Lebensqualität. In einer bisher noch nicht publizierten Langzeitstudie
fand man für dieses Medikament auch einen positiven Effekt auf
die Ausbildung einer akuten Harnverhaltung als auch eine Reduzierung
der Wahrscheinlichkeit eines operativen Eingriffes an der Prostata.
Der Nachteil dieses Medikamentes besteht in einer sehr langen bis
zu 6 Monaten dauernden Latenzzeit bis zum Eintritt der maximalen Wirkung.
Nebenwirkungen treten in 3 bis 5 % aller Patienten auf, es kommt zur
Abnahme von Potenz und Libido als auch zu einer Verringerung des Ejakulatvolumens.
Dutasterid : dieses Medikament hemmt im Gegensatz zu Finasterid sowohl
die
Typ I als auch die Typ II 5-alpha-Reduktase. In mehreren groß
angelegten internationalen Studien konnte auch für dieses Medikament
eine 26 %-ige Verkleinerung des Prostatavolumens als auch eine Verbesserung
des max. Harnflußrate sowie irritativer Symptome gezeigt werden.
Das Risiko eines akuten Harnverhaltes wurde in den ersten zwei Jahren
um 57 % reduziert, die Notwendigkeit eines BPH-bedingten chirurgischen
Eingriffes wurde in den ersten zwei Jahren um 48 % reduziert. Auch
bei diesem Medikament tritt die maximale Wirksamkeit im Durchschnitt
erst nach 6 Monaten auf, das Nebenwirkungsprofil entspricht dem von
Finasterid.
Kombinationstherapie mit 5-alpha-Redukatasehemmern und Alpharezeptoren-Bockern:
Eine Kombinationstherapie sollte nur vom Facharzt nach eingehender
Diagnostik durchgeführt werden. Alle bisher zu diesem Thema veröffentlichten
Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse.
Eine bisher noch nicht veröffentlichte Langzeitstudie zeigte
jedoch nach 5 Jahren Therapie einen deutlichen Vorteil der Kombinationstherapie
in Hinblick auf das Auftreten von akuten Harnverhaltungen, dem klinischen
Fortschreiten der Erkrankung und dem Symptomscore als auch einen positiven
Effekt auf die Wahrscheinlichkeit eines Prostata-bedingten operativen
Eingriffes.
Operative Therapie der benignen Prostatahyperplasie:
Transurethrale Resektion der Prostata (TURP):
Ca. 95 % aller Prostatektomien geschehen heute auf transurethralem
Weg: ein Resektoskop mit einer Diathermieschlinge (Abb.
3) wird durch die Urethra eingeführt, die Prostata wird unter
Sicht mit der Schlinge reseziert und die Resektions-Chips werden durch
den Schaft des Instrumentes herausgespült (Abb.4).
Die OP erfolgt in Spinal- oder Allgemeinanästhesie. Diese OP-Methode
wird seit mehreren Jahrzehnten mit sehr gutem Erfolg durchgeführt
und stellt heute den goldenen Standard in der operativen Therapie
der Prostatahyperplasie dar. Durch Verbesserung von Geräten und
OP-Technik konnte die Morbidität in den letzten zwanzig Jahren
deutlich gesenkt werden.
Die postoperative Verbesserung der Miktionsqualität und des Harnflusses
sind eindrucksvoll, leider kam es in den letzten Jahren hauptsächlich
bei großen Prostatavolumina zu doch hohen Blutverlusten. Dieses
Problem konnte jedoch durch eine technische Weiterentwicklung, die
an der technischen Universität München in den letzten 5
Jahren durchgeführt wurde, gelöst werden. Mit Hilfe eines
Schneidegerätes, das gleichzeitig schneiden als auch koagulieren
und somit Blut stillen kann, ist ein beinahe blutungsfreies Operieren
möglich und es können Prostatagrößen bis zu 120
g von einem erfahrenen Operateur reseziert werden. In einer an unserer
Klinik durchgeführten Studie zeigte sich ein deutlicher Rückgang
an blutungsbedingten Komplikationen sowie eine dramatische Einsparung
an Blutkonserven.
Die TURP ist, wie oben erwähnt, die operative Standardmethode
mit der alle anderen operativ- interventionellen Therapien verglichen
werden müssen. Eine TURP ist langfristig erfolgsversprechend
mit einer 10 Jahres-Reoperationsrate von 5 bis 10 %.
Offene Prostatektomie:
Die offene Prostatektomie (Abb.5) ist in ihrer Effektivität der TURP gleich zu setzen, sie ist
jedoch heute nur mehr bei großen Prostata-Adenomen mit Gewichten
von mehr als 100 g indiziert. Als relative Indikationen für diese
offene OP gelten auch eine fixierte Hüftgelenksadduktion in Folge
einer Osteoarthritis oder eine schwere Harnröhrenstriktur, die
den Zugang zur TURP verhindert.
Minimal invasive operative Therapieverfahren:
In den letzten 10 bis 15 Jahren wurde eine Reihe von minimal
invasiven operativen Behandlungsmethoden als Alternative zu den traditionellen
chirurgischen Verfahren entwickelt. Im Folgenden wird auf die Kontakt-Laser-Prostatektomie,
interstitielle Laser-Behandlung als auch auf die Wärmetherapie
der Prostata kurz eingegangen.
Wahl des Behandlungsverfahrens:
Die Wahl des Behandlungsverfahrens für einen individuellen Patienten
mit gutartiger Vergrößerung der Prostata hängt von
einer Reihe verschiedener Faktoren ab.
1. Schweregrad der Symptome und dereren negativer Einfluß auf
das tägliche Leben des Patienten.
2. Die Langzeiterfolgsrate und Wiederbehandlungsrate der gewählten
Therapie.
3. Die Wahrscheinlichkeit von behandlungsbedingter Morbidität
und Komplikationen.
4. Die Präferenz des Patienten.
5. Kosten/Nutzung-Relation
Es ist deshalb unbedingt erforderlich, daß Vorteile und Risiken
jeder möglichen Behandlung mit dem Patienten offen und klar diskutiert
werden. Manche Patienten werden daher möglicherweise eher auf
eine chirurgische Therapie verzichten und eine medikamentöse
Behandlung wählen. Die Möglichkeit einer Therapie, die Lebensqualität
auf lange Sicht zu verbessern ist die Hauptüberlegung, die mit
den Risiken etwaiger Komplikationen oder Nebenwirkungen abzuwägen
ist.
Obwohl die Symptome der BPH einen bedeutenden Einfluß auf die
Lebensqualität des Patienten haben, gibt es nach wie vor eine
große Anzahl von Männern mit derartigen Beschwerden, die
deshalb nicht den Arzt aufsuchen. Mögliche Ursachen dafür
sind die Scheu vor der urologischen Untersuchung, der Glaube, daß
die Symptome altersbedingt sind und so zum Leben dazugehören
und nicht behandelt werden können. Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit
könnte hier Abhilfe schaffen. Aber auch der Wissensstand der
Ärzte im Bezug auf die Urologie muß gehoben werden, damit
Patienten mit obstruktiver Symptomatik erkannt und entsprechend beraten
werden können.